Drei Deals verändern die Branchenspitze
Drei Transaktionen prägen aktuell das Branchenbild und werden dessen Struktur nachhaltig verändern. In allen drei Fällen zeigt sich derselbe Beweggrund: die Abkehr vom Konglomerat zugunsten eines fokussierten Spezialistentums oder einer global relevanten Größe.
BASF Coatings: Ein 7,7-Milliarden-Euro-Carve-out
Den größten Einzeldeal der DACH-Region im Bereich Farben und Lacke bildet der Verkauf der BASF-Lacksparte an den US-Finanzinvestor Carlyle sowie den staatlichen katarischen Fonds QIA. Der Vertrag wurde am 10. Oktober 2025 unterschrieben, die kartellrechtliche Freigabe der EU-Kommission erfolgte am 4. Juni 2026. Auflage der Kommission: Carlyle muss das weltweite Polysulfid-Geschäft seiner Beteiligung Nouryon (Werk Greiz) verkaufen. Nouryon zählt zu den nur zwei globalen Anbietern dieses Schlüsselrohstoffs für Aerospace-Sealants, und da BASF Coatings selbst als Sealant-Hersteller zu den bedeutenden Polysulfid-Abnehmern gehört, sah Brüssel die Gefahr einer wettbewerbsschädlichen vertikalen Verzahnung innerhalb des Carlyle-Portfolios.
Die veräußerte Sparte deckt Fahrzeugserienlacke (OEM), Autoreparaturlacke (Refinish) und Oberflächentechnik ab und beschäftigt etwa 6.000 Mitarbeitende bei einem Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro. BASF bleibt mit 40 % beteiligt und erhält rund 5,8 Milliarden Euro in bar. Während BASF damit einen strategischen Rückzug aus dem eher commodity-nahen Lackgeschäft vollzieht, unterstreicht Carlyle mit dem Einstieg sein Bekenntnis zur Farben- und Lackindustrie als eigenständige, attraktive Anlageklasse.
AkzoNobel und Axalta: Vom freundlichen Zusammenschluss zur Bieterschlacht
Für noch mehr Aufsehen sorgt die am 18. November 2025 angekündigte geplante Fusion von AkzoNobel und Axalta Coating Systems. Als Merger of Equals angelegt, würden die AkzoNobel-Aktionäre 55 % und die Axalta-Aktionäre 45 % am neuen, gemeinsamen Unternehmen halten. Bei einem addierten Umsatz von rund 17 Milliarden US-Dollar und geschätzten Synergien von 600 Millionen Dollar entstünde damit ein echter Weltmarktführer der Beschichtungsindustrie.
Im April 2026 versuchten Nippon Paint und Sherwin-Williams gemeinsam, den Zusammenschluss zu durchkreuzen. Mit zwei aufeinanderfolgenden Barangeboten, zuletzt 73 Euro je AkzoNobel-Aktie und damit einem Gesamtvolumen von 12,5 Milliarden Euro, strebte das Konsortium eine feindliche Übernahme an. Die Idee: Nippon Paint hätte die Sparten Dekofarben und Industrielacke übernommen, Sherwin-Williams die Bereiche Automotive, Marine und Pulverlacke. Der AkzoNobel-Vorstand lehnte beide Offerten ab, da sie den Unternehmenswert unter Einbeziehung der Axalta-Synergien nicht angemessen widerspiegelten. Am 3. Juni 2026 gaben Nippon Paint und Sherwin-Williams offiziell das Ende ihrer Übernahmebemühungen bekannt.
Der Bieterwettstreit macht deutlich, welchen strategischen Stellenwert die großen börsennotierten Lackkonzerne für internationale Käufer besitzen und zu welchen Prämien diese bereit sind.
Henkel und Stahl: Klebstoff-Know-how trifft Beschichtungstechnik
Die dritte Großtransaktion bringt zwei auf den ersten Blick unterschiedliche Welten zusammen: Henkel, bekannt für Klebstoffe und Waschmittel, übernimmt für 2,1 Milliarden Euro den Lackspezialisten Stahl. Die Ankündigung erfolgte am 4. Februar 2026. Stahl ist Weltmarktführer bei Beschichtungen für flexible Materialien wie Leder, Papier und Verpackungen und kam 2025 auf einen Umsatz von rund 725 Millionen Euro bei rund 1.700 Mitarbeitenden. Bisheriger Eigentümer war die französische Beteiligungsgesellschaft Wendel, die nach rund 20 Jahren Haltedauer ihren Mehrheitsanteil von 68,5 % abgibt, ein Lehrbuchbeispiel für die „Halte-und-Wachsen-Logik“ kontinentaleuropäischer Private-Equity-Häuser.
Stahl-CEO Maarten Heijbroek beschrieb die strategische Logik sinngemäß im Interview mit European Coatings so: