Der Mittelstand in der Farben- und Lackindustrie konsolidiert leise, aber mit Methode

Abseits der Milliarden-Schlagzeilen von BASF, AkzoNobel und Henkel formt sich im Mittelstand der Farben- und Lackindustrie eine ebenso wirkungsvolle Konsolidierungswelle.

Neben den schlagzeilenträchtigen Großtransaktionen setzt sich die Konsolidierung im Mittelstand pragmatischer, aber strukturell ebenso bedeutsam fort. Wo die großen Konzerne Milliarden bewegen, geht es hier meist um gezielte Zukäufe von Kompetenzen, Marken oder geografischer Reichweite, ohne dass die eigene Unabhängigkeit zur Disposition steht.

Teil 2 einer dreiteiligen Serie zur M&A-Dynamik in der Farben- und Lackindustrie. Teil 1 beleuchtete die drei großen Milliarden-Deals der Branche.

MIPA, Remmers, Peter Lacke und Siegwerk: Wachstum durch gezielte Zukäufe

Besonders aktiv zeigt sich MIPA SE aus Essenbach: Mit der Mehrheitsbeteiligung an Imparat Farbwerk (Hamburg) und der Übernahme von Wildscheck Lacke in Österreich erweitert der bayerische Hersteller seine geografische Präsenz systematisch.

Die Remmers Gruppe aus Löningen setzt dagegen auf Asien: Mit rund 35 Millionen Euro für eine Mehrheitsbeteiligung an dem indischen Holzlack-Unternehmen Teknovace, das im Schnitt um 43 % pro Jahr wächst, positioniert sich Remmers als globaler Akteur im Premiumsegment Holzbeschichtungen. Die Produktionskapazität soll von 6.000 auf 60.000 Tonnen jährlich steigen, Indien dient dabei nicht nur als Absatzmarkt, sondern zunehmend als globales Produktions- und Exportzentrum.

Lackproduktion in der Farben- und Lackindustrie: Rühren einer Lackfarbe

Peter Lacke aus Herford baut mit der Übernahme von Rickert sein Know-how im Bereich Lacke für metallische Substrate aus.

Siegwerk aus Siegburg, spezialisiert auf Druckfarben, übernimmt Hi-Tech Inks in Indien und wird dadurch zum größten Anbieter auf dem indischen Markt für flexible Verpackungen. Auch dies fügt sich in ein größeres Muster: Deutsche Mittelständler suchen ihr Wachstum verstärkt außerhalb der gesättigten heimischen Märkte.

Kansai Helios: Der aktivste Käufer kommt aus Japan

Der aktivste Konsolidierer im DACH-Segment Industrial Coatings ist allerdings kein deutsches Unternehmen, sondern Kansai Helios, die europäische Plattform des japanischen Kansai-Paint-Konzerns. Binnen 24 Monaten übernahm die Gruppe drei deutsche Mittelständler: WEILBURGER Coatings (im Mai 2024 von der Familie Grebe), Westdeutsche Farben/wefa (im Februar 2026 abgeschlossen) und CWS Lackfabrik Düren (im Februar 2026 angekündigt). Bis 2027 strebt die Plattform einen Umsatz von 900 Millionen Euro an, was auf zwei bis drei weitere Zukäufe in den kommenden 18 Monaten schließen lässt.

Dörken und J.W. Ostendorf: Umbau im Bautenfarbenmarkt

Ein aufschlussreiches Beispiel für die laufende Neuordnung des Bautenfarbenmarkts liefert die geplante Übernahme von J.W. Ostendorf (JWO) durch Dörken Coatings aus Herdecke. Das Bundeskartellamt nahm die Transaktion am 28. November 2025 unter dem Aktenzeichen B3-119/25 zur Prüfung an. Betroffen sind die Produktmärkte für Holzpflegeprodukte im Bautenbereich, Malerzubehör sowie Sprühfarben, dekorative Farben und Lacke.

Dörken zählt zu den drei größten Anbietern für Bautenfarben in Deutschland, sieht in diesem Segment aber kein ausreichendes Wachstumspotenzial mehr, um die eigene Relevanz weiter zu steigern. Statt sich zurückzuziehen, wählt Dörken den offensiven Weg: Parallel zum laufenden Kartellverfahren wurde bereits im März 2026 eine Produktionspartnerschaft geschlossen, in deren Rahmen die Bautenfarbenproduktion schrittweise vom Standort Herdecke nach Coesfeld zu JWO verlagert wird. Dörken investiert dabei in den JWO-Standort und dessen Technologie, während JWO nach Dörken-Rezepturen produziert.

JWO selbst hatte bereits 2024 einen Eigentümerwechsel durchlaufen: Der dänische Konzern Hempel verkaufte das Unternehmen an den Münchner Finanzinvestor Fidelium Partners, der JWO in der Folge als eigenständigen Spezialisten für Handelsmarken und Lohnfertigung neu positionierte. Dass nun mit Dörken ein strategischer Käufer auftritt, zeigt: Selbst Private-Equity-Haltedauern von unter zwei Jahren sind in dieser Branche möglich, wenn der strategische Fit überzeugt.

Was treibt diese Konsolidierung wirtschaftlich an, und was zahlt der Markt für solche Unternehmen aktuell? Damit beschäftigt sich der dritte und letzte Teil dieser Serie.

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